Das Ende der Frauengleichstellung in der menschlichen Gesellschaft

Das Ende der Frauengleichstellung in der menschlichen Gesellschaft

Wenn wir wissen wollen, warum die Ungleichheit der Frauen in den westlichen Gesellschaften existiert, dann ist es wichtig zu verstehen: wann, warum und wie es dazu kam, dass den Frauen vor ca. 10.000 Jahren ihre Gleichstellung von den Männern genommen wurde.


 

Heute ist die überwiegende Gesellschaftsstruktur der Menschen eine patriarchale Herrschaftsform: Männer haben Macht über Frauen und Kinder und das Recht auf Gewalt, um diese Macht über Frauen und Kinder zu erhalten. Diese Macht verteidigen Männer, seitdem sie die Frauen als gleichwertige Menschen entmachtet haben. Und seitdem kämpfen Frauen mit den unterschiedlichsten Mitteln dafür, wieder gleichgestellt zu sein. (Das Thema „Waffen der Frauen“ ist Inhalt eines anderen Artikels.)

Bei der Beantwortung der Frage, weshalb sind Frauen auf ein Dekorationsobjekt und auf ihre Sexualorgane reduzierbar, bedarf es eines Blickes in die Vergangenheit der menschlichen Gesellschaft. Dort finden wir die Ursachen für die heutige Unterdrückung und Diskriminierungen der Frauen welt-weit.

Kurzfassung der Erdzeitgeschichte – Menschengeschichte

Mit einer Darstellung der Zeiträume, in denen unsere Erde und das menschliche Leben sich bewegen, will ich aufzeigen, wie neutral und endlich Leben einfach ist.

  • Alter des Universums, ca. 13,8 Milliarden Jahre 13.000.000.000,
  • Alter der Sonne, etwa 5 Milliarden Jahre (5.000.000.000),
  • Alter der Erde, etwa 4,6 Milliarden Jahre (4.600.000.000),
  • Leben der Dinosaurier Beginn von vor ca. 235.000.000 Jahre Ende vor ca. 65.000.000 Jahren Lebenszeitraum 170.000.000 Jahre,
  • Der Mensch, Homo sapiens, derzeit nachweisbar, seit ca. 300.000 Jahre,
  • Der Mensch besiedelte aus Afrika nach und nach alle anderen Regionen der Erde, vor ca. 60.000 – 80.000 Jahren,
  • Der Mensch entdeckt das Eigentum und wird sesshaft, vor ca. 10.000 – 12.000 Jahren,
  • Das Hier und Heute………,
  • Ende der Erde, in ca. 5 -7 Milliarden Jahren (5.000.000.0000- 7.000.000.000).

Die ersten Menschen

Vor ca. 300 Tausend Jahren (nach derzeitigen Kenntnissen) lebten erste Menschen (Homo sapiens) in Afrika und besiedelten nach und nach vor ca. 60- 80 Tausend Jahren alle anderen Regionen der Erde. Sie organisierten ihre Nahrungsaufnahme in weiterziehenden Sammler- und Jägersippen.

Erst seit ca. 10-12 Tausend Jahren leben die Menschen in einer Gesellschaftsform, in der das Eigentum eine immer größere Bedeutung bekam und heute noch hat.

Unsere kollektive Erinnerung an Freiheit und Zusammengehörigkeit

In seinem Buch Das Patriarchat, Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems beschreibt Ernest Bornemann den Zeitraum vor der Sesshaftigkeit der Menschen als eine kollektive Erinnerung an ein „Paradies“, an einen „Garten Eden“. Es war die Zeit der Sammler- und Jägersippen, die in ihren Sippen jeden Einzelnen schützten und sich frei auf der Erde ausbreiteten. Es war ein Leben der Menschen, Frauen und Männer, in Harmonie mit der Natur. Ein Zeitraum, der nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ca. 290 Tausend Jahre dauerte. (Am Ende des Artikels ein Zitat aus Ernest Bornemann Buch Das Patriarchat, Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems, in dem er die Eigenschaften der Sammler- und Jägersippen den Eigenschaften der heutigen menschlichen Gesellschaft gegenüberstellt.)

Vor ca. 60– 80 Tausend Jahren zogen die ersten Menschen von Afrika aus, und besiedelten über viele, viele Generationen die Erde. Die Genetik kann das mit Hilfe der Haplogruppen (spezifische Positionen auf einem Chromosom) nachweisen.

Es war immer noch die Zeit der Sammler- und Jägersippen, die auf der Suche nach Nahrung durch Gebiete zogen, die frei zugänglich waren. Ein Gedanken an Eigentum gab es nicht. Die Menschen aßen das, was sie brauchten, sie legten keine Vorräte an.

Dann veränderte sich vor ca. 10-12 Tausend Jahren das Klima auf der Erde (die letzte Eiszeit) und es änderte sich die Form, wie die Menschen sich ihre Nahrung beschafften. Das Weiterziehen war nicht mehr so einfach möglich und die Menschen entdeckten die Möglichkeit der Anpflanzung von Pflanzen und Haltung von Tieren.

Aus den immer weiterziehenden Sammlern und Jägern wurden sesshaft werdende Bauern und auf begrenzten Arealen sich bewegende Hirten.

Um das zu organisieren steckten die Bauern- und Hirtensippen ein Stück Land ab, dass sie zu Äckern und Weiden nutzten.

Mit der Sesshaftigkeit entstand eine Nahrungsbeschaffungsveränderung, die zu einem Mehr an Nahrung führte: Ernten, die eingelagert werden musste, Tierherden, die auf Weideflächen geführt und beaufsichtigt werden mussten.

Mit der Veränderung der Nahrungsbeschaffung veränderte sich die Sippenorganisation

In der Sammler- und Jäger Gesellschaft hatten die Frauen die Aufgaben: die Kinder zu betreuen, die Arbeiten ums Lager oder Höhle herum zu machen, wie das Feuer zu beaufsichtigen und das Sammeln von essbaren Pflanzenteilen. Pflanzenteile waren die Hauptnahrungsquelle, Fleisch gab es nur, wenn eine Jagt erfolgreich war. Das Jagen nach Wildtieren war die Aufgabe der Männer und alles um die Jagt herum vorzubereiten. Jedwede beschaffte Nahrung wurde in dieser Gesellschaft gleichmäßig an ALLE verteilt.

Geschlechtsverkehr war etwas Neutrales und Normales. Frauen wählten dazu frei Männer aus, die aus anderen Sippen waren.

Die Kinder, Mädchen und Jungen, blieben nach der Geburt in der Sippe ihrer Mütter. Die Väter der Kinder, die ja Männer aus anderen Sippen waren, lebten weiter in ihrer eigenen mütterlichen Sippe und gingen auch für die eigene mütterliche Sippe auf Nahrungssuche.

In einer Sippe lebten Mütter mit ihren Kindern, den Töchtern und Söhnen, auch wenn die Söhne erwachsen waren, blieben sie in der mütterlichen Sippe.

Kinder wuchsen mit ihren Müttern, Großmüttern, mütterlicherseits Tanten und Onkeln auf.

Es war eine matrilinear organisierte Gesellschaft in denen die persönlichen Gegenstände an diejenigen innerhalb der Sippe gegeben wurden, die die Gegenstände gebrauchen konnten, egal welches Geschlecht.

In einer matrilinearen Gesellschaft wird die Sippe durch eine Frau geführt, wobei alle Sippenmitglieder gleichwertig miteinander leben. (In der bürgerlichen Sichtweise wird eine matrilineare Gesellschaft mit Matriarchat gleichgesetzt, das ist nicht korrekt, da es im Matriarchat auch das Eigentum gibt, was es in den matrilinearen Sippen noch nicht gab.)

In den anfänglichen Bauern- und Hirtensippen begann sich diese matrilineare Gesellschaft aufzulösen. Der Grund dafür war, dass die Männer das von ihnen erarbeitete Mehr an die eigenen Kinder vererben wollten.

Es war wohl so, dass bei der Feldarbeit die Kraft dafür sorgte, die für die Feldarbeit aufgebracht werden musste, dass Männer ihren Anspruch auf die durch die Feldarbeit entstandene Ernte und später auch auf das beackerte Feld für sich selbst forderten. Die Männer lebten da noch nicht in den Sippen, in denen ihre Kinder lebten.

Bei den Hirten beanspruchten die Männer die Tierherde als ihr Eigentum und später auch das für die Tierherde abgegrenzte Areal.

Zuerst wurden also die Ernten und Tiere in der Herde zum Eigentum der Dominanten, das waren in der Sippe die Vorherrschenden und Bestimmenden. Später wurde auch das Land selbst, die Äcker und Weiden, zum Eigentum der Dominanten erklärt.

Mit diesem Vorgang entstand ein Eigentumsdenken an Nahrung, Gebrauchsgütern und Land.

Eigentum sollte jetzt an die Kinder der Männer gehen

Mit der Beobachtung der Tiere und deren Fortpflanzung entdeckten die Männer, die die Herden bewachten, die Bedeutung der Zeugung zur Schaffung von Nachwuchs durch die männlichen Tiere.

Diese Erkenntnis übertrugen sie auf ihren Geschlechtsakt bei den Frauen in anderen Sippen und eine Erkenntnis entwickelte sich, dass die Kinder in der Sippe der Frau, ihre gezeugten Kinder sein könnten. Und den von ihnen gezeugten Kindern wollten sie ihr Eigentum vererben. Nicht den Kindern ihrer Schwestern, die ihre Väter in anderen Sippen hatten.

Um das durchzusetzen war der erste Schritt, dass Kinder zum Eigentum der Männer wurden. Die Frauen mussten jetzt in die Sippen der Männer gehen und dort leben, wenn sie bei ihren Kindern bleiben wollten.

Dann wurde es den Frauen untersagt, Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann, als nur dem Mann zu haben, in dessen Sippe sie gegangen waren. Denn nur so konnte ein Mann sicher sein, dass die Kinder dieser Frau von ihm gezeugt worden waren.

Diese Übergangszeit ging sehr langsam. Am Ende stand die Ehe.

Der nächst Schritt war, dass eine Frau, die in der Sippe des Mannes lebte, ebenfalls zum Eigentum des Mannes wurde, mit dem sie Kinder hatte.

Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann wurde so zum Bruch der Eigentumsverhältnisse. Sowohl die Frau verletzte das Eigentum des Mannes, als auch der andere Mann. Frauen wurden dafür mit Verbannung bestraft. Sie mussten ihre Kinder in der Sippe des Mannes zurücklassen und konnten auch nicht zurück in ihre mütterliche Sippe, Verbannung bedeutete für die Frauen der Tod.

Geschlechtsverkehr eines Mannes mit einer Frau, die Eigentum eines anderen Mannes war, wurde mit Entmannung oder sofortiger Tötung bestraft.

Hatte ein Mann bei der Frau die sein Eigentum war, den Verdacht, bei der Geburt ihres Kindes, es könne sich nicht um sein Kind handeln, dann hatte er das Recht, das Kind auszusetzen, was den Tod des Kindes zur Folge hatte.

Die entmündigte Frau im Patriarchat – Das Ende der Frauengleichstellung in der menschlichen Gesellschaft

Mit der Durchsetzung des vererbbaren Eigentums im Patriarchat, verloren Frauen mit ihren Kindern die Freiheit und Gleichwertigkeit. Sie wurden, so wie ein Acker, eine Weide und eine Tierherde, zum Eigentum der Männer. Söhne wurden aus der Hand des Vaters entlassen (sie wurden emanzipiert, a.d. lateinischen emancipatio, d.h. „Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt“), wenn sie erwachsen wurden. Töchter blieben Eigentum der Väter, bis sie Eigentum des Mannes wurden, dem sie dann Kinder gebären sollten und hatten als einzige Aufgabe, das Haus des Mannes zu organisieren. Aus dem Gebären und der Hausarbeit konnten sie für die Gemeinschaft keine Nahrung mehr beschaffen, sie verloren ihre ökonomische Gleichwertigkeit, da auch ihr väterliches Erbe in das Eigentum der Männer einging, zu deren Eigentum sie selbst geworden waren. Auf diese Weise wurden Frauen für lange Zeit von der Teilhabe an der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Es ging so weit, dass Männer ihnen ein Denkvermögen aberkannten und Frauen von Männern nicht mehr als menschlich (a.d. althochdeutschen männlich) wahrgenommen wurden.

Ungleichheit und Konkurrenz wurden geboren.

Die Aufgabe der Frauen blieb auch im Patriarchat: die Kinder zu betreuen, sich um das Zelt/die Hütte zu kümmern, das Feuer zu beaufsichtigen, Feldarbeiten zu machen, in der Umgebung essbare Pflanzenteile zu sammeln, aber das Mehr an Nahrung war jetzt im Besitz der Männer und damit auch in deren Befugnis es zu verteilen. Die Begegnung auf Augenhöhe, ein gleichwertiges Miteinander Leben ein Alle bekommen das Gleiche, war hiermit beendet.

(Im Vergleich dazu bleiben im Matriarchat die Kinder bei ihren Müttern, das Eigentum vererbt sich auf die Töchter, Männer sind frei in den Sippen der Mütter)

Die Geburtsstunde des Patriarchats war der Beginn der Entmachtung der Frauen und ihrer Kinder.

Die Emanzipation der Frauen ist die Geburtsstunde der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Frauen und Männern. Sie leitet auch für die Kinder eine neue Zeit ein, in der Kinder wieder nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen ihr Leben gestalten können und in der wieder die Freiheit des Einzelnen die Freiheit ALLER bedeuten wird.

(Artikel von Margarete Menzel)

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Ernest Bornemann beschreibt hier im folgenden Zitat die kollektive Erinnerung der Menschen an das Paradies, aus seinem Buch Das Patriarchat, Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems, im Kapitel Der Ursprung:

 

… Der Mythos von dem verlorenen Glück und dem verschollenen Land ist nicht auf hebräische, persische, syrische und griechische Quellen beschränkt, sondern ist Teil eines regionalen Mythenblocks, der sich von den Küsten des Mittelmeeres bis ins Herz Vorderasiens erstreckt. Die bedeutendsten Mythologen, Sprachwissenschaftler und Religionsforscher unserer Zeit sind heute darüber einig, dass der „Garten Eden“ weder im Zweistromland, wie man im neuzehnten Jahrhundert meinte, noch überhaupt an irgendeinem spezifischen Ort lag, sondern eine bestimmte Form des Zusammenlebens beschreibt, die einst in dieser ganzen Region existiert haben mag.

Die Sumerer sprechen von einem Land, in dem der Mensch vor den Zeiten der Sintflut wunschlos und zufrieden gelebt habe, Gilgamesch, der babylonische Held, fand diese glückliche Welt im Laufe seiner Wanderungen, verlor aber die magische Blume, die dort wuchs, und konnte deshalb nie seinen Weg zurückfinden. Die Juden verbanden ihren Glauben an das Kommen des Messias mit der Hoffnung, dass er die Tugenden zurückbringen werde, die der Mensch in jener verschollenen Zeit besessen hatte. Sicherlich ist es kein Zufall, dass Karl Marx, Erbe einer langen Tradition rabbinischen Wissens, seine Geschichtsphilosophie auf dem Gedanken aufbaute, der Mensch müsse eines Tages die Tugenden jener vergangenen Zeit wiedererlangen: von der klassenlosen Gesellschaft der Vorgeschichte zur klassenlosen Gesellschaft der Zukunft.

Was waren nun die Tugenden jeder verschollenen Welt? Das Seltsame an den Mythen vom Goldenen Zeitalter ist, dass sie sich nicht mit einem Schlaraffenland, einem Land des Reichtums und des Überflusses beschäftigen, was doch bei der großen Armut der Völker des Altertums zu erwarten gewesen wäre, sondern eher mit einer Welt der Genügsamkeit: zeitlos, beständig, gleichmütig, bedürfnisfrei, anspruchslos und bescheiden, aber auch rücksichtsvoll und würdig; eine Welt ohne Eigenart, aber auch ohne Eigenwillen; ohne Individualität, aber auch ohne Einzelgängerei, eine Existenz frei von Eigentum, aber auch von Habgier und Diebstahl: „Die Menschen waren damals friedlich und sahen alles mit dem gleichen Auge an.“

Die Tugenden, die uns aus diesen Mythen ansprechen, sind also nicht die der Persönlichkeit, denn diese gab es noch nicht, weil die gegenseitige Abhängigkeit so groß war, dass niemand den Gedanken der persönlichen Selbstständigkeit fassen konnte. Es war eine Gesellschaft von Ebenbürtigen, aber auch von so engen Blutsverwandten, dass sich das ICH noch nicht völlig vom DU spalten konnte, eine Welt frei von Stand, Rang und Kaste, aber auch frei von Strebsamkeit; eine Welt ohne Leidenschaft, aber auch ohne Einsamkeit; ohne Abweichung, aber auch ohne Alleinsein; ohne Sehnsucht, aber auch ohne Ehrgeiz; ohne Selbstsucht, aber auch ohne Geltungsdrang.

Es gab keine Anmaßung, aber auch keine Unterwürfigkeit; keine Überhebung, aber auch keine Untertänigkeit; keinen Dünkel, aber auch keinen Knechtsinn; keinen Hochmut, aber auch keine Liebedienerei; keine Willkür, aber auch keine Willfährigkeit. Die Tugenden waren Freundschaft, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Offenheit, aber auch diese nur in dem Sinne, dass sich niemand der Möglichkeit einer Alternative bewusst war. Es war keine glückliche Welt, denn auch Glück versteht sich nur als Antithese zum Unglück, und Unglück war noch nicht ins Bewusstsein dieser weithin undifferenzierten Communitas eingedrungen. Deshalb gab es weder Macht noch Machtanspruch, weder Ordnung noch Unterordnung, weder Befehl noch Gehorsam.

Es war eine ungeteilte Welt, frei von Armen und Reichen, Gläubigern und Schuldnern, Ausbeutern und Ausgebeuteten. Es war die Insel der Seligen, frei von Geiz, aber auch von Verschwendung. Es war das Hyperboräerland, frei von Geben und Nehmen Es war der Garten der Hesperiden, frei von Neid, aber auch frei von allem, was Grund zum Neid geben konnte.

Wenn dies eine rückwärts projizierte Utopie war, wie manche Forscher meinen, dann war es schon eine sehr seltsame Utopie: ein Wunschtraum, der in keiner Weise den Wünschen der Menschen des Altertums entsprach, War es aber kein Wunschtraum, dann war es wahrscheinlich eine Erinnerung, der man sich trotz ihres negativen Gehalts nicht entziehen konnte, eine Erinnerung von so zwingender Beharrlichkeit, dass sie noch Tausende von Jahren später einen großen Teil der Mythologie dieses ganzen Erdteils beherrschte. Was lag ihr zugrunde und wodurch wurde sie schließlich verdrängt?

Zugrunde lag ihr das freie, fast sorglose Leben der alten Wildbeuter. In der letzten Interstadialperiode zwischen den Eiszeiten Würm I und Würm II ersteckte sich eine gewaltige Fläche offenen fruchtbaren Landes mit gemäßigter Temperatur von der Ägäis bis zum Hindukusch. Beeren, Früchte, Pilze und Kleintiere sammelnde Frauen mit ihren primitiv jagenden Männern durchschweiften dieses weit offene Land, frei und unbehindert. Wenn ihre Nahrung knapp wurde, zogen sie einfach weiter. Die Welt schien ihnen unbegrenzt und unermesslich fruchtbar.

Dann kam die Katastrophe. In sechs Stadien, die wir noch heute nachzeichnen können, begann die letzte Phase der Eiszeit und danach eine völlig neue Welt. …

(Quelle: Ernest Bornemann, Das Patriarchat, Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems, Kapitel: Der Ursprung)

 

 

Karl Marx: Textauszüge zum Thema Freiheit

 

Freiheit wird von Marx als eine Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft gedacht: „Erst in der Gemeinschaft [mit Andern hat jedes] Individuum die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden; erst in der Gemeinschaft wird also die persönliche Freiheit möglich“. (2) Jeder bedarf des Anderen, um er selbst zu sein: seiner Produkte aber auch des Anderen als Menschen, weil der Mensch das erste Bedürfnis für den Menschen ist. (2) Erst der Bezug auf den Anderen ermöglicht die eigene Selbstentfaltung. Diese Selbstentfaltung zum „totalen“, d.h. vollgesellschaftlichen Individuum ist das wesentliche Moment der Freiheit.

(1) Zitat aus Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. 1846. In: MEW Bd. 3, S. 74

(2) Vgl. Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. In: MEW Bd. 40, S. 535

 

Schließlich ist Freiheit das Ziel des Kommunismus. Marx betont, wie sehr die Freiheit an einen hohen Stand der Produktivkräfte gebunden ist: „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion“. „Wahre Freiheit“ ist dort realisiert, wo die eigene Schöpferkraft von dem Zwang befreit ist, zwischen vorgegebenen Alternativen wählen zu müssen und selbstgesetzten Zwecken folgen kann. Vorausgesetzt ist allerdings immer die materielle Produktion als seine „Basis“, was Marx als „Reich der Notwendigkeit“ bezeichnet: „Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann“. (3)

(3) Marx: Das Kapital. 1867. In: MEW Bd. 25, S. 828