MM-Monti und das Land Uhr

Monti und das Land Uhr

von Margarete Menzel

Es gab etwas, das Monti, der kleine Hase, für sein Leben gerne tat: Sich an einen warmen, sonnigen Platz am Rand des Heimatgebüsches setzen, die Augen über das bunt blühende Gras schweifen lassen, um sich so in das Land der träumenden Tage zu begeben.

Während er gerade so vor sich hinträumte, fiel ein Schatten auf Monti und seine Aufmerksamkeit ging zurück in das Land der Wirklichkeit. Es war seine Mutter, die ihn zum Abendessen holte. Gemeinsam hoppelten sie nach Hause und als der kleine Hase am Abend in seinem kuscheligen Bett lag, war er auch bald eingeschlafen.

Am nächsten Vormittag saß Monti auf seiner Schulbank und schaute aufmerksam auf einen tickenden Apparat, den die Lehrerinhase Uhr nannte. Er hatte so etwas noch nie gesehen und hörte zu, wie die Lehrerinhase etwas über Zeit erzählte und darüber, wie diese auf der Uhr abzulesen sei.

Was ist eigentlich Zeit, dachte Monti. Ist das etwas zum Anfassen, und wenn ja, wie fühlt es sich wohl an? Weich oder hart? Klebrig oder staubig? Stachelig oder glatt? Monti konnte sich nichts unter Zeit vorstellen und hörte deshalb nicht weiter der Lehrerinhase zu.

Nach den Schulaufgaben suchte Monti sich einen sonnigen Platz, dort wollte er über die Zeit nachdenken. Dabei wandelte er in Gedanken durch das Land der träumenden Tage. Vielleicht konnte er hier erfahren, wie sich Zeit anfühlt. In seinem Traum saß Monti auf einem Hügel und konnte weit in das Land hineinschauen. Ein auf ihn zukommender Nebel wurde zu einer Traumlandfee, die sich neben ihn setzte, und gemeinsam schauten sie die Unendlichkeit.

„Das ist also die Zeit“, sagte Monti zu ihr.

„Nein“, erwiderte die Traumlandfee, „wir sind hier in der Unendlichkeit, und hier gibt es keine Zeit.“

„Aber ich habe doch über die Zeit nachgedacht und kam hierher, um sie zu fühlen.“ Monti war irritiert.

„Es stimmt. Du bist in das Land der träumenden Tage gekommen, um zu erkennen, was Zeit ist. Nur ist es so, dass wir dir hier im Tagtraumland nur das Gefühl zeigen können, wie es ist, ohne Zeit zu sein, also das Gefühl der Zeitlosigkeit.“ Die Traumlandfee lächelte gütig.

„Und wo finde ich das Gefühl für die Zeit?“ Erwartungsvoll blickte Monti die Traumlandfee an.

„Lieber Monti, richte jetzt deine Aufmerksamkeit wieder auf die Erde, über die du hoppeln kannst und auf die Sonne, die dein Fell erwärmt. All das hat etwas mit Zeit zu tun. Und wenn du die Erde wahrnimmst, auf der du stehst und die Sonne siehst, die das warme Licht auf die Erde bringt, dann gehe in das Land Uhr. Dort wirst du einen Zeitschlumpf finden, der dir zeigen kann, wie sich Zeit anfühlt.“

„Woran erkenne ich den Zeitschlumpf?“ Monti wollte ganz sicher sein, sodass er ihn wirklich finden konnte.

Die Traumlandfee gab ihm noch einen letzten Hinweis mit auf den Weg: „Zeit ist, wie eine Schnur, die zwischen zwei Ereignissen liegt. Denke einfach daran und du wirst den Zeitschlumpf erkennen.“

Monti bedankte sich bei der Traumlandfee und seine Augen sahen jetzt die Erde, auf der er lag, und sie sahen das Licht der Sonne, welches die Erde erhellte. Er hörte die kleinen Tiere, die vor ihm im Gras ihrem Leben nachgingen, und jetzt war Monti wieder ganz im Land der Wirklichkeit. Auf seiner Zunge lag die staubige Luft der Erde, auf der er nun stand.